VITA-TEAM LENA & JAMIE DIE ZUSAMMENFÜHRUNG

11. Januar 2017
Kurz vor Weihnachten haben wir Euch ja bereits von Lena & Jamie berichtet, die vor nicht allzu langer Zeit ihre Zusammenführung gemeistert haben.

Wie die Zeit der Zusammenführung für Lena war, welch unglaubliche Herausforderung es ist, mit dem Hund das Laufen am E-Rolli zu trainieren und wie es ihr und Jamie damit jetzt geht, erzählt sie Euch hier selbst. Wir sind wirklich stolz auf dieses wunderbare Team!
Eure VITAs

Hier nun Lenas Gedanken zur Zusammenführung:

Ich, Lena, war durch meine Schule für behinderte Menschen aus dem Leben der gesunden Menschen weitestgehend ausgegrenzt. Außer den Freunden meiner Eltern und den direkten Schulkameraden hatte ich wenig Kontakte. Nach der Schule machte ich meine Hausaufgaben, aß zu Abend und ging wieder ins Bett. Direkte Freund hatte ich keine. Im Dorf wusste man, dass meine Eltern ein behindertes Kind haben. Mehr wusste man nicht. Auch nicht, dass man sich mit mir ganz normal unterhalten kann und ich geistig ganz rege bin.

Als wir uns bei VITA um einen Assistenzhund beworben hatten, war meine Hoffnung, mit einem Assistenzhund wieder in die Gesellschaft zu gelangen.

Als ich Jamie im Mai kennenlernte, war das der schönste Tag meines Lebens. Ein Tag, auf den ich mich ganz lange gefreut hatte. Aber auch ein Tag, der mein Leben entscheidend verändern sollte. Niemals hätte ich es mir vorgestellt, wie steinig der Weg sein würde, mein Ziel gemeinsam mit Jamie zu erreichen.

Am 10. Juli begann die Zusammenführung mit Jamie. Jamie, ein Rüde, der es mir seit dem Matching angetan hatte. Mit meiner bloßen Zuneigung war es jedoch nicht getan, es sollte harte Arbeit werden, bis ich seine Freundschaft und sein Vertrauen gewann und ihn schließlich mit nach Hause nehmen durfte. Unsere Zusammenführung fand nicht nur ausschließlich in Hümmerich statt, sondern zur Hälfte bei Angelika Evans in Delbrück bei Paderborn, obwohl wir gar nicht weit weg von Hümmerich wohnen. Nachdem Jamie von Angelika ausgebildet worden war, würde sie auch erstmals eine Zusammenführung maßgeblich begleiten. Mit dem Wohnwagen reisten wir bei Angelika an und lebten fortan einige Wochen dort bei ihr. Wechselweise je eine Woche in Delbrück, eine Woche in Hümmerich. Das Training war sehr intensiv, mit vielen Höhen und Tiefen. Angelika schaffte es immer wieder Jamie und mich aufzubauen und zu motivieren.

Es war ein harter und intensiver Weg, der hinter uns liegt. Wahrscheinlich braucht man aber eine solch harte Schule, um schätzen zu lernen, welches Goldstück in ein Leben dringt. Zunächst erkennt man nur, dass man einen Hund hat, der sehr gut erzogen ist. Nach und nach erkennt man den wahren Wert dieses Tieres. Niemals würde ich Jamie wieder hergeben. Er ist Tag und Nacht um mich herum. Er hebt mir Dinge auf und bringt sie mir freudig. Er zieht mir meine Mütze ab und hilft mir, die Handschuhe auszuziehen. Aber darum geht es nicht vorrangig.

Durch meine Facebookseite „Lena und Jamie“, auf der ich immer über den Fortgang der Zusammenführung berichtete und auch aktuell weiter berichten werde, wurden wir beide mehr und mehr bekannt. Immer, wenn wir ins Dorf gingen, wurde ich gefragt, wann es wieder etwas Neues auf Facebook zu lesen gibt. Jeder Eintrag auf Facebook wurde von über 2000 Menschen gelesen. Meine Mutter fragte im EDEKA – Markt in unserem Ort, ob Jamie mit zum Einkaufen darf. Ab diesem Zeitpunkt wurden wir immer wieder gefragt, wann ich denn mit dem Hund zum Einkaufen komme.

Heute rollere ich mit Jamie in den EDEKA –Markt, in den Fressnapf, in den SATURN-Markt, in Sportgeschäfte uvm. (Hier auch ein Video davon Man sieht nicht mehr das behinderte, anonyme Mädchen, sondern eine junge Frau mit einem wundervollen, wunderschönen Hund. Die meisten Leute im Dorf kennen mich und wenn ich Jamie nicht dabei habe, fragt jeder nach ihm. Man redet mit mir, man fragt mich nach ihm, man akzeptiert mich. Ich bin wieder ein großes Stück zurück in der Gesellschaft. Das hat mein Jamie, mein treuer Freund für mich bewirkt. Das ist sein Gewinn. Jede Mühe, jede Arbeit, jede kalten Füße, jede nassen Kleider, alles war es Wert.

Ein Leben ohne Jamie ist für mich und meine Familie nicht mehr vorstellbar.

Jetzt geht es darum, unsere Bindung noch weiter zu festigen. Mit viel Liebe wollen wir weiter trainieren, bis Jamie auch mit mir in die Schule gehen kann und wir unser gemeinsames Leben weitestgehend alleine gestalten können. Ich bin mir bewusst, dass das noch lange dauern wird. Wenn ich sehe, was wir bisher erreicht haben, glaube ich daran, dass wir auch dieses erreichen können.

Vielen Dank an alle, die uns auf dem Weg geholfen haben,
besonders an Angelika Evans, Tatjana Kreidler und VITA-Assistenzhunde.

Liebe Grüße, Lena und Jamie mit den restlichen Knoppies