Häufig gestellte Fragen

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) rund um den Assistenzhund:

 

 

• Warum arbeitet VITA e.V. eigentlich ausschließlich mit Golden oder Labrador Retrievern?

• Was ist eigentlich ‚will to please’?

• Wo sind die Unterschiede zwischen Arbeits- und Showlinien?

• Was sind eigentlich Assistenzhunde?

• Kann ein Assistenzhund ein glückliches Hundeleben haben?

• Was ist Dummyarbeit, und was sind Dummies?

• Was ist ein Workingtest?

• Charity Working Test – was ist das eigentlich?

• VITA e.V. ist zertifiziertes Vollmitglied der ADEu/ADI – was ist das eigentlich?

 

 

Warum arbeitet VITA eigentlich ausschließlich mit Golden oder Labrador Retrievern?
Beide Rassen eignen sich durch ihre natürlichen Anlagen hervorragend für jegliche Arbeiten in Verbindung mit Menschen. Sie werden sehr vielseitig als Rettungshunde, Assistenzhunde (z.B. Blindenführhunde, Behindertenbegleithunde) oder Therapiehunde ausgebildet und eingesetzt. Durch ihr ausgeglichenes Temperament passen sich Retriever schnell den unterschiedlichsten Situationen an. Sie sind weder aggressiv noch nervös oder ängstlich, sondern fröhlich und lebhaft und nehmen mit viel Gelassenheit und Sanftmut am Leben ihrer zweibeinigen Partner teil.

Es ist ihre Leichtführigkeit und ihr berühmter „will to please“, also ihr Bestreben, ihrem Menschen zu gefallen, der dazu beiträgt, dass sich Golden und Labrador Retriever so gut für die Ausbildung zum Assistenzhund eignen. Ursprünglich stammen beide Rassen aus Großbritannien. Sie wurden hauptsächlich für die ‚Arbeit nach dem Schuss’ gezüchtet. Ihre Aufgabe war es, das erlegte Wild dem Jäger schnell und freudig zu bringen. Ihr Temperament, ihre Liebe zum Wasser und ihre Intelligenz sind ausgezeichnete Anlagen und bei der Jagd von großem Nutzen. VITA importiert für die Assistenzhundeausbildung immer wieder englische Arbeitslinien, bei denen all diese Eigenschaften in ausgeprägter Form vorhanden sind, was die Arbeit mit den Hunden enorm erleichtert.


Was ist eigentlich ‚will to please’?
Diese Eigenschaft, die jede Retrieverrasse als Veranlagung hat, bedeutet, dass der Hund den Wunsch hat seinem Menschen alles recht zu machen. Er schaut zu ihm hoch als wolle er ihn fragen „hey, was kann ich für dich tun?“, und arbeitet, um ihm zu gefallen.


Wo sind die Unterschiede zwischen Arbeits- und Showlinien?
Ursprünglich wurden die Retriever als Arbeitshunde gezüchtet. Ihre Veranlagung sollte möglichst in unverfälschter Form an die Nachkommen weitergegeben werden. Das stand in den ersten Jahren des registrierten Zuchtgeschehens im Mittelpunkt. Zusätzlich war man jedoch auch darauf bedacht, dass der Typ des Hundes optisch einem gewissen Standard entsprach. Heute würde man diese Zuchtrichtung ‚Dual Purpose’ nennen. Rassevertreter also, die tagsüber bei der Jagd Höchstleistungen vollbringen und abends im Ausstellungsring durch ihr wunderschönes Aussehen bestechen.

Häufiger findet man jedoch die Trennung in Show- und Arbeitslinien. Züchter von Arbeitslinien wollen Hunde, die hervorragend für die Jagd oder Dummyarbeit geeignet sind und suchen Elterntiere aus, bei denen diese Eigenschaften schon seit Generationen fest verankert sind.

Hunde dieser so genannten Leistungs- oder jagdlichen Zuchten sind vom Typ her leichter, feingliedriger und schlanker als die der Standardzucht. Hunde aus Arbeitslinien zeichnen sich durch viel Temperament, Aufmerksamkeit und Leidenschaft für die Arbeit aus. Einen Hund aus einer Arbeitslinie zu besitzen heißt natürlich nicht, dass man mit ihm zwangsläufig auf die Jagd gehen muss. Doch diese Hunde brauchen eine regelmäßige und sinnvolle Beschäftigung, die ihre Intelligenz und Arbeitsfreude fördert. Im Haus ist so ein Retriever ein hervorragender Familienhund, der sich in sein ‚Familienrudel’ mühelos eingliedert.

Bei Hunden aus so genannten Show- oder Standardzuchten stehen die optischen Eigenschaften im Vordergrund. Die meisten Züchter von Showlinien legen Wert darauf, auf den Spezialzuchtschauen mit ihrem Hund gut abzuschneiden. So entstand über die Jahre der sog. ‚Showtyp’, der einen schwereren Knochenbau, einen stärkeren Kopf hat und kompakter und gedrungener wirkt. Die Retriever aus Standardzuchten sind etwas weniger temperamentvoll – dabei gibt es natürlich Ausnahmen –, und zeigen nicht immer den unbedingten Arbeitswillen.

Sie fühlen sich im Familienverband auch wohl, wenn mal eine Trainingsstunde ausfällt. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Hunde keiner sinnvollen Beschäftigung bedürfen oder an der Dummyarbeit keine Freude finden.

Beide Zuchtrichtungen werden bei VITA ins Ausbildungsprogramm genommen und wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.


Was sind eigentlich Assistenzhunde?
Ein Assistenzhund ist ein nachweislich ausgebildeter Hund, der Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen begleitet und ihnen „assistiert“, das heißt, bei vielen alltäglichen Verrichtungen hilft. Es gibt verschiedene Arten von Assistenzhunden:

Der wohl bekannteste Assistenzhund ist der Blindenführhund, der Menschen mit Sehbehinderungen sicher durch den Alltag führt.

Ausgebildete Behindertenbegleithunde (auch bekannt als Rollstuhl(begleit)hund, Hunde für Handycaps, Servicehund, Helferhund, Partnerhund, Helfer auf vier Pfoten, Rollstuhlhund) können einem Menschen mit Behinderung viele verschiedene Hilfestellungen geben. Sie können Türen öffnen, Gegenstände aufheben und bringen oder im Notfall Hilfe holen – und machen ihren zweibeinigen Partner dadurch selbstständiger und unabhängiger.

Rehabilitationshunde sollen ausgefallene oder fehlende Sinnesfunktionen ersetzen. So genannte Signalhunde werden darauf trainiert, einen hörbehinderten Menschen auf Umweltgeräusche aufmerksam zu machen oder anfallkranken Patienten bevorstehende Anfälle rechtzeitig anzuzeigen (Epilepsiehunde, Diabeteshunde usw.).

Daneben gibt es die Gruppe der so genannten Therapiehunde, die allein durch ihre Anwesenheit eine positive Wirkung auf ihr Umfeld haben. Tiergestützte Therapien werden immer häufiger in Altenheimen, Schulen, Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen angeboten. Diese gut sozialisierten Besuchshunde zeigen ihren Nutzen vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Wenn sie einen speziellen Wesenstest durchlaufen haben, auf ihre Aufgabe sorgfältig vorbereitet worden sind und fachkundig geführt werden, können sie in den genannten Bereichen wertvolle Dienste leisten. Alle Assistenzhundearten werden umfassend für ihre zukünftigen Aufgaben ausgebildet und trainiert. Sie sollen ein verlässlicher Partner und Helferhund sein, der seinem Menschen freudig zur Seite steht.


Kann ein Assistenzhund ein glückliches Hundeleben haben?
Kritisch hinterfragt: Ist das ein „Hundeleben“?

Frage: "Frau Kreidler, Ihr Ziel ist es, eine positive Beziehung zwischen Mensch und Hund aufzubauen. Wie aber sieht die Welt aus der Sicht des Hundes aus, der tagaus, tagein an der Seite eines behinderten Menschen seine Pflichten erfüllen muss? Wird ihm nicht zu viel abverlangt? Muss er nicht auf vieles verzichten, was für einen Vierbeiner Glück und Lebensfreude bedeutet?"

Tatjana Kreidler: „Auch ich hatte größte Bedenken, dass Behindertenbegleithunde nur als Hilfsmittel benutzt werden, dass sie funktionieren sollen und kein artgerechtes Leben führen können. Dürfen die Hunde jemals Laufen, Spielen und Umhertollen? Also all das tun, was das Leben eines Hundes – aus unserer Sicht – lebenswert macht? Dann begegnete ich in Großbritannien den ersten Teams. Ausgeglichene Hunde sahen ihre Menschen rutenwedelnd und mit fröhlichen Augen an, die sagen wollten: „hey, hast du nicht noch einen Job für mich?“ Ich war völlig fasziniert. Selten hatte ich so eine Einheit von Hund und Mensch erlebt. Wie kann das sein?

Zunächst einmal dürfen die Hunde natürlich auch Laufen, Spielen, Schwimmen etc. Darüber hinaus haben sie etwas, was die meisten Hundeführer ihrem Hund nicht bieten können: Teil eines völlig aufeinander angewiesenen Teams zu sein. Das bedeutet: eine ganz enge, positive und vertrauensvolle Bindung zwischen Mensch und Hund. Für die Ausbildung werden Hunde ausgewählt, die in hohem Maße arbeitsfreudig sind und den berühmten „will to please“ haben. Ihren Anlagen entsprechend ist es für die Hunde ein lebenslanges Spiel, Aufgaben für ihren Menschen zu erledigen. Natürlich werden auch die Menschen entsprechend ausgewählt. Wir geben die von uns liebevoll ausgebildeten Hunde nur an Menschen, die diesen Bedürfnissen der Hunde gerecht werden und ihn als eigenständiges Lebewesen wertschätzen. Primär möchten wir eine Teambildung erreichen, die die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Hund berücksichtigt, und das Miteinander fördert. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Hunde und deren Einsatz nicht für alle Menschen geeignet sind. Oberstes Ziel ist für VITA, dass Mensch und Hund miteinander leben und nicht der Hund für den Menschen. Um das sicherzustellen, betreuen wir unsere Teams ein ganzes Hundeleben lang. Wir halten uns immer die Möglichkeit offen, den Hund wieder zurückzuholen, wenn wir der Meinung sind, dass es ihm dort, wo er ist, nicht gut geht“
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Interview: Ulrike Eichin, Journalistin

 

Was ist Dummyarbeit, und was sind Dummies?
Da Hundeführer heutzutage nur selten auch Jäger sind, wird eine Jagdsituation mit Dummys simuliert. Die kleinen, mit Sand gefüllten Leinensäckchen ersetzen das erlegte Wild und werden von den Retrievern mit der gleichen Begeisterung apportiert. Mit Dummies kann fast jede Jagdsituation nachgestellt werden, und die vielen Möglichkeiten, die dieses Training für eine artgerechte Beschäftigung bietet, findet immer mehr Anhänger. Alle VITA-Hunde lieben die Dummyarbeit und sie ist fester Bestandteil im Trainingsalltag der Teams.


Was ist ein Workingtest?
Die Aufgaben, die ein Workingtest an ein Mensch/Hund-Team stellt, sind sehr an reale jagdliche Gegebenheiten angepasst. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Bei einer Fasanenjagd wird ein Fasan geschossen, den der Hund genau „markiert“ hat. Er weiss also, wo er liegt. In der Zwischenzeit wird ein weiterer Fasan getroffen. Er lebt noch, und der Hund hat ihn nicht gesehen. Dieses Tier muss zuerst geholt werden. Deshalb wird der Hund „eingewiesen“, auf den „nicht gesehenen Fasan“. Er muss seinem Teampartner Mensch völlig vertrauen um in eine Richtung zu gehen, die von seinem „markierten“ Fasan abweicht. Solche und viele andere Situationen werden in einem Workingtest mit Dummies nachgestellt.


Charity Working Test – was ist das eigentlich?
Diese Wohltätigkeitsveranstaltung wird schon seit vielen Jahren zugunsten von VITA auf der Wiesbadener Platte durchgeführt. Menschen mit und ohne Behinderung stellen sich mit ihren Hunden gemeinsam diesem Wettbewerb. Der integrative Gedanke spielt bei diesem Event eine wichtige Rolle. Der Workingtest wird nach internationalen Regularien durchgeführt und die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen immer wieder, dass Rollifahrer und ihre vierbeinigen Partner in keiner Weise hinter den Leistungen von Teams ohne Handicap zurückstehen.


VITA e.V. ist zertifiziertes Vollmitglied der ADEu/ADI – was ist das eigentlich?
Der Verein Assistance Dogs Europe (ADEu) und dessen internationaler Partnerverein Assistance Dogs International (ADI) sind die Dachverbände für alle seriösen Vereine, die Assistenzhunde für Menschen mit Behinderungen ausbilden. Sie setzen hohe Qualitätsstandards insbesondere was das Wohlergehen der Hunde betrifft. Die Mitgliedsorganisationen akzeptieren spezielle Regeln und Vorschriften, die die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund definieren. ADEu und ADI sorgen dafür, dass die Mitglieder die geltenden Bestimmungen einhalten und gewährleisten so die artgerechte und effiziente Ausbildung von Assistenzhunden. VITA ist sehr glücklich, seit Oktober 2007 zertifiziertes Vollmitglied dieser Organisationen zu sein.