VITA-Team: Nina und Emily



Ein weiteres VITA-Team konnte im Januar 2008 mit Nina und Emily zusammengeführt werden. Die schwarze Labrador Hündin und Nina sind nach einigen Hindernissen und einer aufregenden Zusammenführung zu einem perfektem Team zusammen gewachsen.

Januar 2008

Liebe auf dem zweiten Blick – 'Ein Bericht des Vita-Teams Nina und Emily'

Nachdem ich Vita Assistenzhunde e.V. im Oktober 2005 auf der Reha Care Messe in Düsseldorf kennen gelernt und dort informative Gespräche mit den Mitgliedern geführt hatte, stand für mich (und auch für meine Familie) relativ schnell fest: Ich möchte einen Assistenzhund haben! Einen treuen Freund und Helfer, der mit mir gemeinsam durchs Leben rollert.



Wie gesagt, so getan! Kaum wieder zu Hause, hatte ich auch schon die Bewerbung für VITA e.V. fertig. Dann ging alles Schlag auf Schlag… Ich besuchte das Ausbildungszentrum von VITA e.V. in Hümmerich, lernte den Verein und die Mitglieder näher kennen und nahm an zahlreichen VITA-Events teil. Nach einigen Gesprächen wurde ein so genanntes „Matching“ für mich organisiert, um festzustellen, welcher VITA Hund zu mir passen könnte. Für mich stand schon relativ früh fest: es sollte möglichst der Golden Retriever Rüde Valentin werden, der mit seinen treuen Augen und seinen bekannten Kuschelattacken jedes Herz zum Schmelzen bringt. Die Ausbildungsleiterin Tatjana Kreidler hatte schon damals eher die schwarze Labradorhündin Emily für mich im Visier, denn Sie ergänzte mit ihrem Wesen und ihren Eigenschaften meine Bedürfnisse besser als Valentin. Mmh, da stand ich nun mit meiner Affinität zu Golden Retrievern und musste mich entscheiden. Doch dann lernte ich Emily besser kennen und schnell war es um mich geschehen. Die kleine schwarze Labradordame mit Ihrem einzigartig weichen Fell brauchte nicht lange, um mich von sich und ihren Qualitäten zu überzeugen.

Somit erfolgte die gemeinsame Entscheidung, Emily und mich zu einem perfekten Team auszubilden! Anfang September 2007 begann dann endlich die Phase der Zusammenführung in Hümmerich. Unser erklärtes Ziel war es, dass Emily die Aufgaben für mich übernimmt, die sie während ihrer Ausbildung in Hümmerich erlernt hatte, dabei ging es sowohl um die sogenannten Basics, d.h. Gegenstände zu apportieren, Schubladen öffnen, am Rollstuhl laufen,… als auch um speziellere, individuelle Aufgaben, die Emily für mich übernehmen sollte, um mir in Zukunft meinen Alltag zu erleichtern und mir dadurch zu mehr Unabhängigkeit von meinen Mitmenschen zu verhelfen.

Dieses Vorhaben war zunächst einfacher gesagt als getan, denn damit ein VITA- Hund für seinen Partner „arbeitet“, bedarf es nicht nur einer tiefen Bindung, sondern auch eines enormen gegenseitigen Vertrauens, welches nicht einfach über Nacht entsteht oder durch Leckerli „erkauft“ werden kann. Als Laie macht man sich jedoch erst einmal keine Vorstellung davon, dass die Hunde nicht für jeden X-beliebigen Menschen arbeiten und geht somit leicht mit unrealistischen Erwartungen in die Zusammenführung. Ich kam damals mit der Einstellung und Hoffnung nach Hümmerich „mal eben“ innerhalb von ein paar Wochen einen perfekt ausgebildeten Assistenzhund zu bekommen, der mich als seine Partnerin akzeptiert und bedingungslos alles für mich tut. Pustekuchen! Von dieser Vorstellung musste ich mich recht schnell verabschieden, denn wir reden hier nicht von Maschinen, welche man beliebig programmieren kann, sondern von Lebewesen, die ihren eigenen Charakter, Ihre eigenen Gefühle und Empfindungen haben. Somit waren Behutsamkeit, Geduld und Verständnis die ersten Dinge, die ich in Hümmerich lernen musste.

Erst durch die Übertragung der Beziehung von unserer Ausbildungsleiterin zu Emily auf mich, bekam Emily die Sicherheit mir zu vertrauen und die Dinge für mich umzusetzen, die sie bereits im Vorfeld erlernt hatte. Durch die permanente positive Bestärkung von Emily durch die Ausbildungsleiterin, wenn sie z.B. meine Nähe suchte oder Dinge für mich tat, wurde Emily nach und nach immer sicherer. In den täglichen Trainings lernten wir uns gegenseitig besser kennen und einzuschätzen und somit entstand Schritt für Schritt eine „Arbeitsgrundlage“. Emily begann z. B. mir Gegenstände zu apportieren, d.h. sie aufzuheben und auf direktem Wege zu mir zu bringen. Anfänglich tat sie dies noch recht zögerlich und mit einem fragenden Blick zur Ausbildungsleiterin frei nach dem Motto: Soll ich ihr wirklich die Leine bringen? Willst nicht doch lieber Du sie haben? Doch mit jeder erfolgten Bestärkung durch Tatjana Kreidler wurde Emily sicherer und mutiger.

Ähnlich erging es mir anfangs, wenn ich versuchte mir die Handschuhe von Emily ausziehen zu lassen. Sie saugte an den Handschuhen, kaute auf ihnen herum und zog teilweise wie wild daran… Wieder einmal wunderte ich mich, denn ich hatte ja bereits beobachten können, wie problemlos Emily Tatjana Kreidler die Handschuhe auszog. Fragen über Fragen waren in meinem Kopf und zeitweise kamen sogar Selbstzweifel bei mir auf. Mag sie mich nicht? Mache ich irgendetwas falsch? Nichts von alledem war der Grund für Emilys Verhalten, zum damaligen Zeitpunkt war sie einfach nur noch nicht bereit so für mich zu arbeiten, wie ich es gern gehab hätte. Somit waren besonders meinerseits viel Einfühlungsvermögen, Verständnis und Disziplin gefragt, was mir nicht immer leicht fiel aufzubringen. Die gesamte Zeit der Zusammenführung war eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten und ein schwieriger und langsamer Prozess, doch gemeinsam haben wir diese Aufgabe erfolgreich gemeistert.

Nun ist die Zusammenführung abgeschlossen, die Tage im Ausbildungszentrum von VITA e.V. sind gezählt und für Emily und mich hat ein neues Leben begonnen: Denn, seit dem 22. Januar hat unsere WG in der Seidenstr. eine neue Mitbewohnerin – Emily! Endlich hat sie Einzug in Köln gehalten. Nicht nur mein Mitbewohner und bester Freund Raphael ist begeistert, auch die ganze Familie und sämtliche Nachbarn sind total verzückt von „Miss Emilysa“. Ich muss gestehen in der ersten gemeinsamen Nacht war mir noch ein wenig unwohl zu Mute: Geht es Emily auch wirklich gut? Hat Sie Heimweh? Fühlt sie sich hier wohl? Bin ich der Verantwortung gewachsen? Alles Fragen, die mir immer wieder durch den Kopf geschossen sind und mir ein paar schlaflose Nächte beschert haben (an dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass Emilys hemmungsloses Schnarchen ebenfalls einen beträchtlichen Anteil zu meiner Schlaflosigkeit beigetragen hat ).

Doch in den darauf folgenden Tagen wurde ich wieder einmal eines besseren belehrt: Emily fühlt sich in ihrer neuen Heimat Köln zunehmend „Labradorwohl“. Sie mischt mit Ihrem Temperament und ihrer Spritzigkeit unseren zwei Personen Haushalt kräftig auf und bringt am Tag mehr als nur einen Lacher und macht uns allen damit sehr viel Freude. Wenn wir gerade nicht genüsslich zusammen kuscheln und schmusen, machen wir gemeinsam den Dünnwalder Forst unsicher. Ob Dummytraining oder einfach nur Gassi gehen, in diesem herrlichen Naturschutzgebiet kommt nicht nur Emily voll auf Ihre Kosten.

Sogar die anfängliche Angst anderen Hunden zu begegnen hat sich mittlerweile bei mir gelegt, denn während meines Aufenthalts in Hümmerich hatte ich große Angst davor, gemeinsam mit Emily anderen Hunden zu begegnen. Ich befürchtete der Situation körperlich nicht gewachsen zu sein und hatte Angst, dass Emily etwas passiert, sie angegriffen wird oder sich verletzen könnte. Mitunter waren damals die mangelnde Einschätzungsfähigkeit von mir und das fehlende Vertrauen zu Emily einige der Ursachen für diese Ängstlichkeit. Doch durch regelmäßiges Üben und die bewusste Herbeiführung von Begegnungen mit anderen Hunden in den unterschiedlichsten Situationen haben mir gezeigt, dass meine Angst unbegründet ist. Mittlerweile bin ich total relaxed, wenn wir auf andere Hunde treffen und freue mich, dass Emily ab und an einen Spielpartner findet. Schon nach so kurzer Zeit steht mir Emily als Partnerin in allen Lebenslagen helfend zur Seite und meistert ihre „Assistenzhundaufgaben“ vorbildlich. Trotzdem gibt es für uns beide noch viel zu lernen…

Nun da zwischen Emily und mir eine gefestigtere Beziehung besteht, können wir langsam beginnen uns spezifischeren Aufgaben zu widmen, bei denen Emily mir behilflich sein soll. Zur Zeit üben wir gerade das Ausziehen von Kleidungsstücken. Obwohl Emily schon fleißig an meinen Hosenbeinen zieht und es letztendlich auch schafft die Hose komplett auszuziehen, müssen diese Dinge noch durch regelmäßiges Training optimiert werden. Doch auch das braucht Zeit und Sicherheit und wird letztendlich früher oder später perfekt funktionieren. Wir sind also auf dem Weg… zum perfekten Team!!! Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, wie sehr ich mich auf die vor uns liegende, gemeinsame Zeit freue. Emily ist nicht nur eine Bereicherung für mein Leben, sondern auch für mein gesamtes Umfeld. Abschließend möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und mich bei Vita e.V., meiner Familie, meinen Freunden und sämtlichen Spendern und Sponsoren dafür bedanken, dass sie unermüdlich dazu beigetragen haben, diesen Traum wahr werden zu lassen. Dieser Dank gilt vor allem Tatjana Kreidler, unserer geduldigen und fantastischen Ausbildungsleiterin, die dieses Geschenk erst möglich gemacht und mir anvertraut hat. VIELEN DANK!!!

Mit tierischen Grüßen

Nina+Emily

Köln, den 30.01.2008